Vergesellschaftung und ihre Tücken
Vergesellschaftung, dies steht irgendwann jedem Chinhalter mal bevor. Doch so einfach wie es klingt ist es meistens nicht, denn am Ende haben immer noch die Chins das letzte Wort.
Was bedeutet es eigentlich Chinchillas zu vergesellschaften?
Chinchillas kann man nicht einfach so zusammensetzen, denn sie möchten wie wir Menschen ihren Partner erstmal kennenlernen und möchten nicht immer den erstbesten als Partner haben. Schließlich muss man sein ganzes Leben mit ihm verbringen.
Um Chinchillas zusammenzubringen gibt es verschiedene Möglichkeiten der Vergesellschaftung.
1. Kleine Transportbox-Methode
2. große Transportbox-Methode
3. Käfig-Zwischenwand-Methode
4. Käfig-an-Käfig Methode
5. Käfig-in-Käfig-Methode
6. Freilaufmethode
7. Einfach in den Käfig rein und schauen was passiert.
1.
Die zu vergesellschaftenden Tiere werden in eine kleine Transportbox, kurz TB genannt, gesetzt. Diese sollte so niedrig sein, dass die Tiere sich nicht aufrichten und aus dem Weg gehen können. Notfalls muss man mit Handtüchern die Höhe verringern.
Mal ehrlich, wer möchte schon so seinen neuen Partner kennenlernen? Man wird regelrecht dazu überredet den fremden zu mögen, notfalls bleibt einem noch die Methode ihn wegzubeißen und das hilft manchmal auch.
Diese Methode wird am meisten empfohlen, da sie Erfolgsversprechend sein soll. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, nicht jedes Chin ist für die kleine TB-Methode geeignet. Es gibt durchaus Chinchillas, die drehen bei zu engem Raum richtig durch oder bekommen Angstzustände, dass in Krämpfe ausarten kann. Die TB-Methode ist, wenn die Tiere ruhig vom Charakter her sind oder sich evtl. durch eine vorrangenene Annäherung schon kennen durchaus anzuwenden.
2.
Die Tiere, die vergesellschaftet werden sollen, kommen in eine TB, die größer ist als die zuvor genannte Methode. Die Tiere können sich aufrichten, sich aus dem Weg gehen, wenn sie sich nicht mögen oder Abstand halten, wenn sie es wollen. Das Risiko, dass die Tiere evtl. sich dort erst recht streiten ist nicht viel höher als in der kleinen Box, aber durch die Rückzugsmöglichkeit geringer. Andererseits kann es aber auch sein, dass die Tiere sich neugierig beschnüffeln und sich evtl. sogar sofort anfreunden.
3.
Hier wird ein Käfig mit einer Zwischenwand versehen, die am besten 1-2 cm breit sein sollte, damit die Finger und die Nase der Chins nicht vom Nachbarn gebissen werden kann. Diese Methode ist eine „langsame“ Methode, dort können die Tiere einen kleinen Bereich für sich selbst beanspruchen und können doch, ohne Gefahr gebissen zu werden, einen Artgenossen kennenlernen. Zudem empfiehlt es sich Gegenstände zwischen den beiden Seiten zu tauschen, so dass die beiden Tiere den Geruch des anderen wahrnehmen und mit was positiven verknüpfen können. Zum Beispiel Leckerlie im Schlafhaus (vom fremden Tier) verstecken.
Wenn die Tiere sich friedlich begegnen, keine Pipidusche oder ähnliches, kann man es versuchen die Tiere zusammenzubringen. Entweder setzt man sie dafür in eine große TB oder in einen Käfig. Diese Methode kann bis zu 3 - 6 Wochen dauern, je nachdem wie schnell die Tiere sich verstehen, ist aber um einiges stressfreier als die erste Methode.
4.
Diese Methode ist ähnlich, nur dass anstatt einer Trennwand zwei Käfige aneinander stehen.
5.
Hier wird ein kleiner Käfig in einen großen Käfig gestellt, wie effektiv diese Methode ist kann ich nicht beurteilen, da ich nur sehr selten was darüber gelesen habe und auch nicht genau weiß, wie man diese macht.
6.
Von dieser Methode wird meistens abgeraten, da diese nicht sehr einfach ist. Zum einen muss man die Tiere genau kennen und ihre Körpersprache lesen können. Für einen Anfänger nicht sehr leicht. Zum anderen muss der Raum so gewählt sein, dass er nicht zu groß und nicht zu klein ist und für die Tiere fremd ist, Beispiel Badezimmer. Evtl. Ablenkungen wie Verstecke, Sandwannen und vertreute Futterstellen können diese VG vereinfachen. Es gibt sogar Leute, die diese erfolgreich durchgeführt haben sollen. Ich habe mich diese Methode noch nicht getraut, aber erwähnen sollte man sie zumindest.
7.
Diese Vergesellschaftung ist mit Vorsicht zu genießen. Da werden 2 fremde Tiere in einen Käfig gesteckt, der mit Essigwasser gereinigt und die Einrichtungsgegenstände anders angebracht wurden. Der alte „Hausherr“ soll sich so nicht mehr an sein altes Zuhause erinnern. Ich kann durch beobachten sagen, dass Tier erkennt den alten Käfig sehr wohl wieder und es kann auch sehr schnell böse ausgehen. Denn in einem bestehendem Revier hat ein fremdes Tier nichts zu suchen, so die Auffassung des "Hausherrn". Es kann zu Jagereien und Beißereien kommen, das fremde Tier zieht hier den kürzeren. Ebenso ist das Verletzungsrisiko ziemlich hoch. Die Tiere springen aus ihrem Gedächtnis auf die Bretter, fehlen diese an der Stelle oder sie kennen diese nicht, springen sie regelrecht gegen die Wand oder verfehlen die Bretter.
Dass sich die Tiere da evtl. Knochenbrüche, Zerrungen oder ähnliches zuziehen können, versteht sich fast von alleine.
Diese Methode sollte nach Möglichkeit nicht angewendet werden. Mit ganz ruhigen Tieren könnte man sowas machen, aber welcher Anfänger kann beurteilen, ob die Tiere vom Charakter her ruhig sind?.
Aber wo sind jetzt die Tücken, werden sich die Leser hier denken, die kommen jetzt.
Chinchillas können einem mit ihrem Verhalten sehr täuschen. Eine gut funktionierende 2er Gruppe kann durchaus den Anschein erwecken, dass diese beiden Tiere sehr ruhig sind und sogar ein 3. Tier in der Gruppe dulden würden. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das stimmt so nicht. Die 2 Tiere, aus dieser besagten 2er Gruppe, gehen los wie Furien, wenn ich versuche ein 3. Tier dazu zu vergesellschaften. Die zwei steigern sich regelrecht in die Abwehr rein, dass die Tiere selbst wenn das fremde Tier entfernt wurde, der alte Partner angeriffen wird, weil er nicht sofort erkannt wird.. Bis die Tiere sich wieder wie vor dem Vergesellschaftungsversuch verhalten, kann es durchaus 3 Tage dauern, bei anderen Tieren geht es auch schneller, da ist nach einer halben Stunde wieder frieden. Da sieht man, dass die Tiere einen doch sehr täuschen können.
Eine andere Tücke ist, dass von manchen Leuten gesagt wird ein gegengeschlechtliches Paar lässt sich leichter vergesellschaften, auch dies stimmt nicht immer.
Sehr tückisch sind dabei Weibchen die gezielt Bisse verteilen und sich dann in einem Schlafhaus oder Ecke verkrümeln und dort „Wache“ halten. Dieses Weibchen beißt dem Männchen, bevorzugt wird die Nase dafür genommen, und hält Abstand, da das sehr schnell geht und sonst kein Tumult ist, geht man davon aus, dass die VG friedlich läuft. Bis man die Verletzung an der Nase sieht und der Bock auch wirklich keinen „Bock“ mehr auf weiteres Kennenlernen hat.
Eine weitere Tücke ist der Trugschluss, dass Jungtiere einfacher mit Alttieren zu vergesellschaften sind, da diese durchaus „Welpenschutz“ haben.
Auch dies stimmt nicht immer. Es kann durchaus passieren, dass die Tiere sich auf das Jungtier stürzen und es behandeln wie einen Erwachsenen, der einfach ins Revier eindringt. Schnelles eingreifen kann da schlimmeres verhindern, danach sollte man auch keinen weiteren Versuch wagen, denn das Leben des Jungtieres hat hier Vorrang.
Es gibt auch das Phänomen, dass Tiere sich in einer bestimmten VG-Methode nicht vergesellschaften lassen und da sehr aggressiv reagieren. Gibt man diesen Tieren entsprechend lange eine „Verschnaufpause“ und beginnt dann eine VG mit einer anderen Methode kann diese durchaus von Erfolg gekrönt sein.
Oft ist dieses Phänomen bei der TB-Box zu beobachten (kommt aber auch bei anderen Varianten vor). In der Box reagieren die Tiere aggressiv und lassen sich nicht zusammenbringen. Bringt man diese Tiere nach entsprechender Verschnaufpause von 2-3 Monaten in einem Käfig mit Zwischenwand und anschließender VG zusammen, sind diese die dicksten Freunde und keine Spur von Agression ist zu finden.
Sehr interessant ist noch die Vergesellschaftung die sich von ganz alleine erledigt. Sei es, dass ein Tier durch eine Trennwand sich gequetscht hat oder einen Spalt fürs durchkriechen genutzt hat. Der verdutzte Halter steht dann vorm Käfig und findet eine 2er Gruppe, die vorher nicht zu vergesellschaften war oder noch am Beginn der Vergesellschaftung stand.
Das sind alles Tücken, die durchaus eine Vergesellschaftung leicht oder auch etwas schwieriger machen. Aber wie schon am Anfang erwähnt, das letzte Wort, ob der Partner akzeptiert wird, hat die Chinchilla.